Praktische Fähigkeiten sichtbar machen und Fachkräfte sichern

Donnerstag, 14.07.2022

Viele Betriebe spüren die Auswirkungen des Fachkräftemangels. In zahlreichen Branchen und Regionen fehlt es an qualifiziertem Personal. Gleichzeitig gibt es etliche Praxisprofis, die seit Jahren zwar in einem Beruf arbeiten, aber nie einen Ausbildungsabschluss erworben haben. Ohne Abschlusszeugnis – und damit ohne Nachweis über ihr praktisches und fachliches Können – werden sie jedoch auf dem Arbeitsmarkt leicht übersehen oder unterschätzt. Eine vertane Chance für die Betroffenen ebenso wie für die Fachkräfte suchenden Betriebe!

Versteckte Talente finden und mit Berufserfahrung überzeugen 

Hier setzt das Verbundprojekt „ValiKom Transfer“ an. Mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erproben IHKs, Handwerks- sowie Landwirtschaftskammern ein Verfahren, bei dem Menschen mit viel Berufserfahrung ihr Können unter Beweis stellen. Sie haben häufig keinen formalen Abschluss, sind Berufswechselnde oder Zugewanderte und in der Regel älter als 25 Jahre. Nach einer Selbsteinschätzung und Beratungsgesprächen lösen die Teilnehmenden praxisnahe Aufgaben aus dem Berufsalltag. Fachexpertinnen und -experten bewerten die Praxistests. Maßstab für die Aufgaben und deren Bewertung sind die in der dualen Berufsausbildung erworbenen Kompetenzen. Als Ergebnis erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat, aus dem hervorgeht, in welchem Umfang sie einen Beruf beherrschen und an welcher Stelle gegebenenfalls noch Qualifizierungsbedarf besteht.

IHKs knüpfen starkes Netzwerk 

„ValiKom Transfer“ ist ein wichtiger Baustein in einer Gesamtstrategie zur Fachkräftesicherung und ergänzt die bestehenden erfolgreichen Instrumente der Beruflichen Bildung. Es hilft Betrieben, das Wissen und Können von Menschen ohne Berufsabschluss besser einzuschätzen und sie entsprechend ihrer Fähigkeiten im Arbeitsleben einzusetzen. Es ist gleichzeitig eine Hilfe, um den Weiterbildungsbedarf von angelernten Beschäftigten zu erkennen und sie bei einer passgenauen Qualifizierung zu unterstützen. Die Projektakteure von „ValiKom Transfer“ und strategischen Partner DIHK und ZDH arbeiten daran, ein großes Netzwerk von IHKs, Handwerks- sowie Landwirtschaftskammern dauerhaft zu etablieren, um einheitliche und standardisierte Verfahren anzubieten.

Gesetzliche Verankerung schafft sichere Perspektive 

Eine bundesweite gesetzliche Verankerung für berufliche Validierungsverfahren ist wichtig, um Unternehmen und Fachkräften ein klares Signal und eine sichere Perspektive zu geben. Die Entwicklung eines rechtlichen Rahmens sollte daher nun zügig starten. Die Organisation und Durchführung der Validierungsverfahrens sollten bei den für die jeweiligen Berufe verantwortlichen Institutionen liegen – das sind die IHKs für die Berufe aus Industrie, Handel und Dienstleistungen. Ein am Bedarf orientiertes Angebot, das berufliches Können von Berufserfahrenen verlässlich sichtbar macht, erhöht ihre Chancen am Arbeitsmarkt. Unternehmen werden so zugleich bei der Gewinnung von Fachkräften unterstützt.